Protest

Protest – was für ein Thema. Ein wichtiges Thema! Und sehr zeitgemäß – scheint ja durch die heutige Zeit und Generation ein Ruck zu gehen.
Gerade die heutige Generation hat nicht nur die Möglichkeit, sondern gar die Pflicht, zu protestieren. Während früheren Generationen noch die Bausteine für das sichere Pflaster legten, auf welchem wir uns heute bewegen, so haben wir die Möglichkeit, dieses Pflaster zu bewandern, und die Pflicht, an den Mauern in und um uns zu rütteln.
Und Gründe gibt es ja genug. Dabei sind es vor allem zwei Themen brisante Themen, die unsere Gesellschaft prägen: Die soziale Frage nach Gerechtigkeit (Gerechtigkeit in Form von sozialer Gleichheit, in der Aufnahme von Flüchtlingen, nach gerechter Bezahlung, Entlohnung und Anerkennung, ge-rechtigkeit in und gegenüber anderen Ländern und bezüglich Gleichheit in Unterschieden), sowie die Frage nach der Klimakrise, die wie eine Welle auf uns zurollt, von manchen noch immer nicht gesehen oder ernstgenommen wird, und deshalb umso heftiger auf uns herabgehen wird.Deshalb ist es nur zu verständlich, dass gerade die junge Generation sich erhebt und das fordert, was ihr und der Welt, in der sie lebt und leben wird, zusteht.
Doch eine Frage treibt mich doch um: Wie steht es mit den Studis? Wie steht es mit einer Gruppe, die oft ungerechtfertigterweise zu einer Art “Elite” gezählt wird, oder sich als Elite ansehen sollte, wenn es um Wissen geht. Doch gerade sie, die doch eher die Gruppe der Demonstrierenden anführen sollte, scheint erstaunlich wenig vertreten. Trotz der (vermeintlichen) Aufgeklärtheit dieser Gruppe scheinen doch nur wenige Interesse zu zeigen. Die Zahl der Studis4Future ist eher überschaubar, und gerade die ach so politischen Hochschulgruppen sind nicht sonderlich bei Demonstrationen vertreten. (Oder genügt es ihnen, wenn die politischen Alt-Parteien das Reden übernehmen?)

Hat also das System, an dessen Grundpfeilern doch gerüttelt werden sollte, uns zu sehr verschlungen, dass nicht mehr der Gedanke (oder der Wille) bleibt, sich selbst zu bilden, hinzusehen, zusammenhänge zu verstehen und auf- und zusammen zu stehen? Wo bleibt der Ansturm und der Protest, der so lange überfällig wäre (und für welches es doch genug Gründe gäbe)?

Oder begnügen wir uns mit Ausreden? Ist es dieser Gedanke in uns, den niemand zugeben möchte, der besagt: Wenn es wirklich so schlimm wäre, dann…
Wenn die Klimakrise wirklich so dramatisch wäre, dann würden die Politiker:innen ja etwas machen. Wenn die soziale Ungleichheit wirklich so drastisch wäre, dann gäbe es ja Aufstände. Wenn die Situation Geflüchteter wirklich so schlimm wäre, dann gäbe es ja mehr Hilfsorganisationen, wenn der Nationalismus wirklich so drastisch wäre, dann würden ja mehr Menschen dagegen demonstrieren…Aber, wenn wir ehrlich sind – wer soll denn auf die Straßen gehen? Wer soll Hilfsorganisationen gründen? Wer um Klima- oder soziale Gerechtigkeit kämpfen?
Etwa die Politiker:innen, die die Probleme herabspielen? Die Berufstätigen, zwischen Neoliberalismus, Beruf und Haushalt? Die Minderheiten, die nicht gehört werden? Oder gar Schüler:innen, Kinder, Jugendliche, die ja bereits beim Klimaschutz vorneweg gehen?Erwarten wir etwa, dass uns die Hochschulgruppen oder Fachschaften, deren Banner und Fahnen doch sehr selten auf Demonstrationen zu sehen sind, uns sagen, was wir zu tun haben, wenn wir doch selber schon nicht die Motivation finden, diese zu unterstützen? Sollen uns Wissenschaflter:innen anführen, die doch schon alle Infos zu Füßen legen?

Oder sind wir doch der Ansicht, dass es genügt, einen Kommentar auf Facebook zu hinterlassen und mit Stolz im Freundeskreis zu verkünden, dass wir es wichtig finden, dass man sich für Geflüchtete einsetzt?
Wer von diesem Text erbost ist, der ist es zurecht. Denn daran merkt ihr, dass ihr euch angesprochen fühlt.

“Die Studenten können gegen nichts rebellieren, wenn sie nicht gegen ihre eigenen Studien rebellieren” steht mit Kreide seit ein paar Jahren an der Wand geschrieben. Doch, das könnten sie. Wenn sie nur schaffen, das System und die Mauern in ihren Köpfen zu zerbrechen.

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