Quer-Feministischer Kampftag

Haben wir nicht schon Gleichberechtigung in Deutschland erreicht? Gut, hier und da noch ein paar Verbesserungen, vielleicht ein wenig am Lohn herumschrauben… Aber sonst ist doch alles gut, nicht wahr?
(Außerdem hatten wir ja schon eine Bundeskanzlerin! Und in großen DAX-Unternehmen gibt es sogar eine Frauenquote! Sogar spezielle Fördermaßnahmen für Frauen, bei Bewerbungen, für Kommunikation… Was wollen Frauen denn noch?)

Ich weiß nicht, was die Frauen „noch alles“ wollen.
Aber ich kann sagen, was ich gerne hätte. Und das ist ein Ende des elenden Alltagssexismus.

Und es ist natürlich nie „so gemeint“.
So wie der Typ, den ich um Hilfe bat, weil ich kleiner bin, und der meinte „Typisch Frau“. Natürlich nicht so gemeint, war nur ein Witz.
Oder die Typen, die mich nach Sex fragen, höflich oder respektlos. Ist nicht böse gemeint. Vielleicht sogar als Kompliment.
Oder wenn meine Wünsche oder Bedürfnisse keine Beachtung finden. Ist nicht so gemeint, passt uns halt nur gerade nicht.

Und vermutlich kann hier jede Frau ihre eigenen Geschichten erzählen.

So wie die Frau, die letztes Jahr am Bahnhof von einem Typen belästigt wurde, weil ihre Leggins ihn provoziert hat. Der sie festgehalten und hochgehoben hat.

Oder die Frau, die letzte Woche nachts in der Valentin-Becker-Straße von nem Fremden geküsst wurde.

Die 18-jährige, die im Februar am Bahnhof sexuell belästigt wurde.

Da ist die Frau, die ihren Partner verlässt und nun um ihr Leben fürchtet. Und jeden dritten Tag eine, die für diese mutige Tat mit ihrem Leben bezahlt.

Oder die beiden Personen, die vergewaltigt wurden. Seit ihr mit dem Lesen begonnen habt. Zwei von etwa 180.000. Seit Jahresbeginn.

Als Frau musst du schnell lernen und erwachsen werden.

Und was lernen wir nicht alles? Wir, die Frauen auf der ganzen Welt. Das weibliche, das schwache, das schöne Geschlecht. Das, wie Maria, still alles in ihrem Herzen bewahren soll. Die sich unterordnen soll. Ihrem Freund oder Mann dienen soll. Sich anpassen soll.

Lernen, nicht alleine durch die Straßen gehen, bestimmte Orte und Blickkontakt meiden.

„Deutschland ist doch sicher“, sagen diejenigen, die so etwas selbst noch nicht erlebt haben. Ich beneide sie. Die Menschen, die das Mythos der Gleichberechtigung erzählen.

Doch sicher kann jede Geschichten erzählen. „Einzelfälle“. Leider ziemlich viele Einzelfälle.

Sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Das Patriarchat ist noch lange nicht überwunden. Nicht nur in der Kirche existiert es weiter. Oder in bestimmten Parteien.

Es existiert, wo weiterhin Stereotype in unseren Köpfen bestehen, aus den Mündern kommen und sich in der Politik, im Recht, im Alltag manifestieren.

Es existiert, wo von Frauen erwartet wird, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen. Sich wie Männer zu kleiden und zu benehmen.

Es existiert, wo Heteronormativität als Standard angenommen und als Normalität festgelegt wird.

Es existiert, wo sich Menschen in binäre Geschlechterrollen einordnen müssen und entsprechende Stereotype annehmen sollen.

Es existiert, wo Männer über den Körper der Frau entscheiden, egal ob Schönheitsideale oder Abtreibung.

Es existiert, wo Frauen in Berufen schlechter bezahlt werden.

Es existiert, wo sexuelle Belästigung mit „typisch Jungs“, „typisch Männer“ abgetan wird, und wo es niemand mehr wundert, von solchen Berichten zu hören.

Es existiert, wo Jungs laut und wild sein dürfen, Mädchen aber ruhig und brav sein sollen.

Es existiert, wo Menschen rund 3000 Tage ihres Lebens mit Blut und Regelschmerzen verbringen, und trotzdem als unrein angesehen werden, als schwach hingestellt werden und die ihre Menstruation zu verbergen versuchen.

Und es existiert weiterhin, so lange sich daran nichts ändert. So lange all das hingenommen und als „normal“ akzeptiert wird.

Ja, wir brauchen auch heute noch, im 21. Jahrhundert, einen feministischen Kampftag und den Kampf für Gleichberechtigung.

Und was wollen *die Frauen* jetzt? Endlich ein Ende mit all diesem Bullshit!

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