
Ein paar nette Lektüren über Lobbyismus.


Okay, hier eine Lektüre über Public Affairs und modernen Lobbyismus von 2012. Von irgendeiner Stiftung und… einer FDP-Politikerin.
Vorwort: Blabla… Lobbyismus nicht so verteufeln… blabla… Kritisch sehen… Expert:innen-Wissen nutzen… Öffentlichkeitsarbeit…
Nächster Beitrag: “Thank you for smoking!” Von… moment… Abschluss Erzieherin (ok?), für die Grünen im Europaparlament (naja, ob Texte von Politiker:innen in einem Werk über Lobbyismus… naja, okay, die Perspektive ist vielleicht auch interessant) und jetzt… Geschäftsführerin des Zigarettenverbandes?!?!
… Wie passt das denn?
Okay, mal sehen, ob sie ihre Arbeit kritisch sieht…
Sie: Der Film “Thank you for smoking” geht total an der Realität vorbei… Zigarettenverband wird immer mehr unterdrückt, wird als böse dargestellt und durch Regulation diskriminiert. Die WHO konsolidiert die Zigarettenlobby überhaupt nicht! Und bei der Werbung werden wir auch eingeschränkt, dabei braucht die Marktwirtschaft doch Werbung! Das Verbot hilft lediglich den großen Marken! (…sind das nicht die, die sich eh die meiste Werbung leisten könnnen?)
Dabei tun wir doch gutes: Wir beraten die Politik, geben Freiheit, beugen Zigarettenschmuggel vor. Wir drucken ja bereits Warnhinweise auf die Werbung (Weil ihr verpflichtet seid?) – das Plain Packing ist ein unverhältnismäßiger Eingriff! Die Menschen wollen doch keine “sozialistischen Einheitsprodukte”. (Hm… wäre in mancherlei Hinsicht keine schlechte Idee). Außerdem haben wir schon freiwillige Selbstbeschränkung: zum Beispiel keine Werbemodels unter 30. (Uhm… dann sind die auf den Plakaten aber sehr jung geblieben…)
Nicht Verbote, sondern Argumente sollten überzeugen. (Ähm, was ist mit dem Argument “Gesundheit”?) Stattdessen wird man vom Staat zu einem gesunden Lebensstil gezwungen. (Ähm, Gesundheitsschutz ist Aufgabe eines Staates?) Dabei sind wir ja schon Vorreiter bei Lobbyismus-Transparenz (Echt?)
Wir brauchen lieber freiwillige Lösungen auf Basis der Rücksichtnahme, statt zu viele pauschale staatliche Verbote. (…Damit hätte ich jetzt nie gerechnet. Woher kommt mir das nur bekannt vor?)
Mein Fazit: Der Text ist viel zu emotional und persönlich, zu wenig Fakten. Auf das Argument Gesundheit und Müll wird kaum eingegangen. Welchen Sinn hat dieser Text? Soll er ein Beispiel sein, das man kritisch sehen soll oder sollen wir mit dem armen, diskriminierten Zigarettenverband Mitleid bekommen?
Ich hoffe, andere Leser:innen sehen das auch kritisch (hab ein paar Kommentare hinterlassen) und bin froh, dass sie nicht mehr in der Politik arbeitet.
