“Woran denkst du?”
“An nichts”
Ein Satz, den man typischerweise vom männlichen Geschlecht hört.
Wer jedoch schon mal wirklich versucht hat, bewusst an Nichts zu denken, wird merken, es ist schwerer, als man denkt.
Wir leben in einer schnellen Welt. Wir denken viel und denken schnell. Wir sind immer auf Achse – Auch wenn das manchmal gar nicht nötig ist.
Auch wenn wir nur an der Straßenbahnhaltestelle stehen oder im Bus sitzen, auf den Freund warten oder eine Pause von der Arbeit machen, so müssen wir uns doch permanent beschäftigen. Ständiger Blick auf die Uhr, aufs Handy, ins Buch; Gedanken kreisen. Meist in die Zukunft: “Ich darf nicht vergessen…”, “Ich muss noch…”.
Wer jedoch mal versucht hat, Nichts zu denken, oder sich nur auf das Jetzt zu konzentrieren, der merkt, wie schwer das ist.
“Nichts denken, warum sollte ich das denn? Ich bin stolz darauf, so viel zu denken.” – Gerade dann wäre es doch mal ein netter Versuch, sich das Gegenteil zu beweisen.
Oder einfach mal im Jetzt sein. Nicht an Gestern oder Morgen denken, sondern nur das Jetzt wahrnehmen, das doch schon genug zu bieten hat. Auch im Jetzt, das doch so kurz und klein erscheint, im Vergleich zur riesigen Zukunft und Vergangenheit, liegt doch viel mehr, als man annehmen mag.
Doch nur Wahrzunehmen, nur das wahrzunehmen, was gerade geschieht, was wir jetzt mit unseren Sinnen aufnehmen, ist schon überfordernd.
Und doch ist es auch heilsam, mal sämtliche Tabs zu schließen.
Wir merken erst, wie viele wir offen haben, wenn wir versuchen, sie zu schließen. Und dann mal nicht mehr zu Arbeiten, sondern zu Sein, kann eine interessante, vielleicht auch entspannende, und vielleicht auch überfordernde Erfahrung sein. Aber gerade dann wohl eine sehr notwendige.
