Disclaimer: Dieser Text ist ein subjektiver Erfahrungsbericht und voll von (idR absichtlich) nicht richtig gegenderten Begriffen (natürlich dürfen und sollen sich trotzdem alle angesprochen fühlen), voll provokanter Aussagen und Ironie. (Ich überlasse es jedem selbst, diese im Text ausfindig zu machen).
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Einen Samstag lang das Thema “All* of us” (Diversität Gender) diskutiert.
Hier ein paar Gedanken und Eindrücke.
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Der Durchschnitt: Natürlich weiblich (geschätzt 80%)¹ und die paar Männer sind die, die man sowieso schon aus den linken Gruppierungen oder Workshops zu Gendersternchen kennt.
Ansonsten ist alles vertreten. Naja, fast.
Also die Masse erstreckt sich von “Sozialgemäßigten Gleichberechtigungssuchenden” zu “radikalen Querfeministen”.
Also von: “Frauen brauchen mehr Selbstbewusstsein” bis zu “Es gibt eigentlich keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern”.
(Dem möchte ich gerne widersprechen, denn ich glaube, es macht einen gewaltigen Unterschied, ob du einen Penis irgendwo reinsteckst oder ihn reingesteckst bekommst.)
Entsprechend sind natürlich auch die Diskussionen. Also von “würde eine Frauenquote in Unternehmen wirklich eine Verbesserung herbeiführen?” zu “Das System ist Schuld, dass Kinder eine engere/andere Bindung zu Müttern als zu Vätern haben”.
Und doch geht es noch recht gemäßigt zu…
Bis zur Podiumsdiskussion..
2 Frauen, 1 Mann.
Der Mann passt überhaupt nicht dazu. Alt, weiß… (Und ich hasse mich sofort für diese Vorurteile! Schließlich ist Diversity ja nicht nur für Frauen!) Doch ich glaube, ich bin nicht die einzige mit diesen Vorurteilen, aber eine von wenigen, die sich dafür reflektiert und kritisiert.
Es wird viel diskutiert. Ist Feminismus eine Utopie?³
Der Mann ist echt mutig, denn er redet von “Männerpolitik” und davon, dass auch Männer benachteiligt werden. Wie kann er es bitte schön wagen, an einem so schönen Tag, an dem es darum geht, Gleichheit zwischen den Geschlechtern zu schaffen und über die Unterdrückung von Frauen zu diskutieren, darüber zu jammern, dass er sich benachteiligt fühlt?! So viele Jahrhunderte mussten wir Frauen* gegen das Patriarchat kämpfen, und nun jammert er darüber, dass Männer in die Wehrpflicht mussten, im Durchschnitt 6 Jahre (in Russland 15 Jahre) früher sterben und später in Rente gehen? Nach all der Unterdrückung, die Wir Frauen* all die Jahre erdulden mussten, fühlt er sich wegen seiner Lappalien unterdrückt?!
Und ich kann mir nur an den Kopf fassen. Denn wenn die schwarze? (migrantin? ausländisch aussehende? von ausländern abstammende?) Frau darüber klagt, dass sie durch ihre Hautfarbe und ihr Geschlecht diskriminiert wird, und durch die Verbindung von beidem auch noch eine völlig neue Art von Diskriminierung erfährt, dann darf doch bitte auch der Mann über die Diskriminierung von Männern klagen.
Oh, aber ich glaube, ich habe eine wichtige Regel vergessen:
Da Frauen (mit oder ohne Stern), inter, trans, Ausländer, LGBTIQ*, etc. ja eh immer unterdrückt werden/wurden und daher ein mangelndes Selbstbewusstsein haben, dürfen diese natürlich nicht mehr kritisiert werden, sondern nur noch höchstens vorsichtig darauf Aufmerksam machen, dass man in einigen Punkten nicht mit ihnen überein stimmt.
Im Gegensatz zu Männern, welche aufgrund ihrer gesellschaftlich anerzogenen Dominanz und der Jahrhunderte andauernden Bevorzugung kritisiert werden dürfen.
*augenroll*
Aber nein.
Ganz offensichtlich geht die Debatte am Thema vorbei! Denn es geht ja nicht darum, Männer oder Frauen gegeneinander aufzuspielen, sondern beide auf eine Stufe zu bekommen.
Als angehende Diversitätsmanagerin (und ich muss über meinen weiblichen Schatten springen, um das hervorzuheben) geht es mir um die Unterdrückung *Aller*, und nicht nur derer, die grad eine große Lobby haben. Diversitätsmanagement ist (zumindest in meiner Auffassung) für *alle* Geschlechter da. (Ja, auch für Männer, die unterdrückt werden oder sich unterdrückt fühlen).¹¹
“Es gibt wichtigeres…”, sagt eine Sprecherin. “…Querfeminismus…”. Ja, das Wort ist heute noch viel zu selten gefallen..
Klar, wir müssen uns mehr um queere Personen kümmern. Letzte Woche fiel in einem Seminar, dass Queere Personen ca. 0,2% ausmachen würden. (Sind das nicht etwa so viele wie Rothaarige?)
Klar muss man sich auch um die kümmern. Aber verlieren wir nicht was viel wichtigeres aus dem Blick?
(Als 2017 die “Ehe für alle” kam, was das ein Freudentag! Eine Veränderung der Geschichte, so lange Überfällig, ein Jubeltag! … Wann wurde nochmal der Mindestlohn eingeführt? Das war ja auch irgendwie so ne wichtige Sache…)
Aber zurück zum eigentlichen Thema:
Warum machen wir eigentlich schon wieder das, was eigentlich die ganze Zeit angeprangert wird? Frauen* müssen sich verändern, müssen mutiger werden, selbstbewusster, in Führungspositionen, etc. Wo ist denn (wie der Mann auch sagte) die Männerbewegung, die dafür kämpft, zu Hause zu bleiben, Emotionen zu zeigen, Familie über Beruf zu stellen?
Würde dadurch, durch diese Bewegung an beiden Fronten, nicht automatisch eine Aufwertung der “Frauenarbeit” entstehen, indem das System von beiden Seiten angegangen wird?
Ganz nach dem Motto: “Männer in die Familie statt Frauen in Führungspositionen”.¹²
Das Patriarchat schadet uns allen. Ja, liebe Frauen, auch den Männern.¹² Und ja, natürlich sollten sich auch die Männer* mal dafür einsetzen, dass daran was getan wird. Aber wenn ich mir die Männer* so anschaue, hab ich da nicht sehr viel Zuversicht…
Aber wie ich so darüber nachdenke, fällt es mir wie Schuppen von den Augen, und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr merke ich, wie blind wir eigentlich sind, dass wir noch immer nicht das Thema erfasst haben!
(Jetzt wirds erst spannend)
Ja, ich könnte heulen vor Wut (und das darf ich als Frau ja) und sause später wütend und mit voll überhöhter Geschwindigkeit die Straßen entlang (und das darf ich, auch wenn ich eine Frau bin)¹³
Denn die ganze Diskussion geht eigentlich so völlig am eigentlichen Problem vorbei!
(Ich fühle mich, als ob wir über Krebs, Luftballons und Weichmacher diskutieren, statt über das Ozonloch)²¹
Wir hängen uns am Problem “Männer gegen Frauen*”, “richtiges Gendern”, “wer wird hier wie viel unterdrückt?” auf, während unser eigentlicher “Feind” ein ganz anderer ist.
XR sagt so schön: “Wir stellen uns und unser toxisches System in Frage” und ich nehme an, viele verstehen darunter Patriarchat, Kirche, Staat, etc.
Dabei ist unser eigentliches toxisches System der Kapitalismus, bzw. Neoliberalismus. Und damit beziehe ich mich nicht nur auf unsere Wirtschaft, sondern v.a. auf unser Denken.
Denn noch viel zu sehr ist das in uns drinnen: “Du musst arbeiten, um etwas wert zu sein.” und “Wert bemisst sich am Lohn.” (Hängt leider auch sehr damit zusammen, dass Macht und Geld sehr stark verbunden sind.)
Es gab einen wunderschönen Beitrag “Manipulation der Massen” (von Arte?) auf youtube, der inzwischen wohl gelöscht wurde.²²
Edward Barneys, irgendwie verwandt mit Freud, war ein Manipulator, wie er im Buche steht: Unsichtbar.
Er wollte (in den 60ern? 70ern?) in den USA Zigaretten verkaufen. Leider durften nur Männer rauchen. Was hat er gemacht? Er hat die aufsteigende Frauenbewegung genutzt und den Frauen die “Fackeln der Freiheit” zum Zeichen der Überwindung des Patriarchats in die Hand gedrückt.
…
Ich lass diesen Gedanken mal kurz hier stehen.
Und sind wir nicht genau in der gleichen Situation gerade? Nur dass es nicht um Zigaretten geht, sondern um den Neoliberalismus/Kapitalismus. Also, um Arbeitskraft.
Wo war lange Zeit das Problem: Nur Männer haben gearbeitet. Die Frauen waren zu Hause. Schade um die Wirtschaftskraft, nicht?
Und mit dem Feminismus (natürlich nicht als alleinige Ursache, unser ganzes System hilft ja fleißig mit) kommen immer mehr Frauen in die Arbeit (z.T. natürlich auch gezwungenermaßen). Ja, werden inzwischen Frauen* nicht auch immer… schräger? bemittleidenswerter? angesehen, wenn sie sich dafür entscheiden, Hausfrau und Mutter zu sein? (“Die Arme, kann sich nicht verwirklichen. Wird von ihrem Mann unterdrückt. Kann sich nicht ausleben.”) Aber vielleicht ist die Muslima, die zu Hause bleibt, sogar glücklicher als die Frau, die versucht, Job, Karriere und Familie zu vereinbaren.²³
Jetzt ist für den Kapitalismus/Neoliberalismus aber natürlich wichtig, dass die Frauen* nicht zu viel Macht bekommen, denn sonst könnten sie am Ende noch das System umkippen.³¹ Nein, sie sollen schön diesen Tanz (aus feministischer Sicht: Kampf) mitmachen, ohne dabei das wirkliche Problem zu erkennen und zu bekämpfen: Nämlich das System selber.
Lieber um Gendersternchen oder Frauenquote kämpfen, als darum, was eigentlich für unsere Gesellschaft viel wichtiger wäre:
Weniger Arbeit! (Bzw. ein Systemwandel in der Arbeitswelt) Und das für Frauen und Männer! Eine Rückorientierung auf die wirklich wichtigen Werte.
Denn es ist der Kapitalismus/Neoliberalismus, der uns hier krank macht. Mag sein, dass ein paar alte, weiße Männer (Luftballons) auch Krebs verursachen, aber das ist im Vergleich zu unserem wirklichen Problem vernachlässigbar…
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Jaja, ich hör schon die Feministen schreien und aufbegehren, wie sie meine Türeinhämmern wollen…
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Aber, und das beste ist:
Selbst wenn euch mein Text jetzt nicht gefallen hat, dürft ihr mich trotzdem nicht dafür kritisieren. 😛
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¹ Warum ist Feminismus noch immer Frauen-Thema?!
² (Du kannst das gerne mal mit deinen Kindern ausprobieren. Aber ich nicht!)
³ Ich würde sagen: So lange Frauen* Kinder bekommen, wird es nie wirklich Gleichberechtigung geben. Aber das ist ja eine andere Diskussion.
¹¹ Was jetzt aber auch nicht heißt, dass ich mich wirklich um jedes Wehwehchen kümmern muss. Srsly -.-
¹² Ja, liebe Feminist*innen, ich höre euer “Aber”…
¹³ und weil ich ja zudem noch “Öko-Terroristin” bin, mache ich das natürlich mit dem Fahrrad.
²¹ Ich weiß, schlechtes Beispiel. V.a. da das Ozonloch ja jetzt, entgegen weit verbreiteter Meinung, aktuell (im Vergleich) kein wirklich großes Problem mehr darstellt… Aber das ist ja Nebensache.
²² https://www.spirit.community/easymedia/video/654-public-relations-manipulation-der-masse-doku-arte/
²³ Und ja, ich hör schon die Feminist*innen aufschreien, aber außnahmsweise höre ich einfach mal weg.
³¹ Natürlich will das System nicht, dass die Frauen* die Männer überholen.
Auch, u.a., weil Männer einfach besser arbeiten. Männer werden nicht schwanger und kümmern sich idR auch seltener ums kranke Kind.
(Und das soll am besten auch so bleiben).
